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Hösel hilft Flüchtlingen

KiTa HöselGastbeitrag von Frank Herrmann MdL
Am vergangenen Mittwoch hatte die katholische Kirchengemeinde und die Stadt Ratingen zu einer Informationsveranstaltung in den Pfarrsaal in Hösel eingeladen. Hintergrund war der geplante Umbau der ehemaligen Kita zu einer Flüchtlingsunterkunft. Da es sich um die erste Flüchtlingsunterkunft in Hösel handeln würde, wollte ich als Fast-Höseler aus Eggerscheidt natürlich auch meine Unterstützung anbieten und bin hingefahren.

Etwas verblüfft hat mich dann das offensichtlich große Interesse der Menschen: als ich haarscharf pünktlich um 18 Uhr ankam, wurden gerade die letzten zusätzlichen Stühle verteilt. Der Saal war bereits mit mehr als 100 Besuchern übervoll und nach mir angekommene mussten stehen oder sich auf  Tische am Rand setzen.

Vertreter der Kirchengemeinde und der Stadt Ratingen bildeten das Podium und der Beigeordnete Steuwe nahm das Heft in die Hand und eröffnete die Veranstaltung. Zunächst sprach er davon, was die Stadt Ratingen in anderen Stadtteilen zur Flüchtlingsunterbringung schon leistet. Dann erzählte er über ein Treffen von Bürgermeistern aus NRW im Innenministerium, wo über die aktuelle Lage im Land, über starke Zugänge von Flüchtlingen aus den Balkanländern, aber auch über sehr stark steigende Zahlen von Flüchtlingen aus Syrien und dem Irak berichtet wurde. Schließlich betonte er, das es der Stadt vor allem um die menschenwürdige Unterbringung gehen würde und das dies für alle Flüchtlinge gelten würde, die nach Ratingen kommen. Eine sehr wichtige Aussage, wie sich kurze Zeit später zeigen sollte. Nach dieser engagierten und umfangreichen Einführung gab es erstmal kurzen Applaus und die Fragerunde wurde eröffnet.

Noch war die Stimmung im vollen Saal schwierig einzuschätzen und ich war auf die erste Wortmeldung gespannt. Die kam dann auch prompt von einem Menschen, den ich durchaus als ‚Agitator‘ bezeichnen würde, denn er sprach davon, das „wir in Hösel…Flüchtlingen gerne helfen, aber nicht denen vom Westbalkan, die sowieso keine Chance hätten, sondern nur den Kriegflüchtlingen….“ usw.

Auch wenn bei diesen Äußerungen ein Raunen durch den Saal ging und es mehrere Zwischenrufe gab, war noch nicht klar, wie sich die Stimmung weiter entwickelt. Bevor dann das Podium etwas sagen konnte, ergriff eine Höselerin das Wort und rief, das sie es unverschämt fände so vereinnahmt zu werden und er doch unbedingt dass „wir“ durch ein „ich“ ersetzen solle. Daraufhin gab es großen Applaus und als dann noch Beigeordneter Steuwe erklärte, dass eine politische Diskussion an anderer Stelle zu führen sei und das es für die Stadt alles gleiche Flüchtlinge im Asylverfahren sind, war klar, dass die Gegner einer Flüchtlingsunterbringung hier keine Punkte machen würden.

Im weiteren Verlauf wurde auch deutlich, das die weit überwiegende Mehrheit, geschätzt >80%, ganz selbstverständlich Flüchtlinge aufnehmen will. Es gab viele Fragen wo und wie man helfen könnte, welche Kleidung und ob Spielsachen gebraucht würden. Die Integrationsbeauftragte der Stadt, Frau Zeliha Yetik, war auch auf dem Podium und erklärte ruhig und kompetent, wie die Unterbringung vorgesehen ist und das die Flüchtlinge sich in erster Linie selbst versorgen, d.h. auch selbst einkaufen und kochen. Da ist sicher vieles im Rahmen der Nachbarschaftshilfe denkbar und für allgemeine Unterstützung bietet die Stadt ja verschiedene zentrale Anlaufstellen

Es gab vielfach den Wunsch auch noch lokal eine Unterstützergruppe zu bilden und hier werden sicher die Piraten in Hösel auch zu beitragen. Manfred hatte dann auch ein Begrüßungsfest vorgeschlagen, wenn die ersten Flüchtlinge voraussichtlich kurz vor Weihnachten einziehen werden. Der Vorschlag wurde sehr positiv aufgenommen und ich bin sicher, dass das Fest stattfinden wird.

Natürlich gab es auch noch einige besorgte Fragen, z.B. ‚was denn die Flüchtlinge in Hösel so alles schlimmes anstellen könnten‘, aber auch hier haben Frau Jetik und andere umfassend geantwortet und erklärt, welchen normalen Umgang mit den Menschen man in den anderen Stadtteilen schon hätte. So ist auch wieder deutlich geworden, das viele Vorbehalte aus Unkenntnis und Unerfahrenheit entstehen. Das aber die erste Reaktion auf die unbekannten Menschen Angst und Ablehnung ist, das hat sicherlich mit Beeinflussung aus medialer Berichterstattung und Aussagen sogenannter ‚führender‘ Politiker zu tun. Sei es NRW-Innenminister Jäger mit seinen Zelten für Kosovaren oder Innenminister de Maiziere mit der Kürzung von Taschengeldern und absenken von (vermeintlichen) Standards. Damit werden Ressentiments geschürt und in meinen Augen neue Probleme geschaffen und keine gelöst.

Ich hatte auch noch ein Gespräch mit einer Anwohnerin, die Angst hatte, ihre 10- und 13-jährigen Töchter demnächst alleine zur Bushaltestelle zu schicken. Ich habe ihr empfohlen, die Flüchtlinge als neue Nachbarn zu sehen und ihnen eine Chance zu geben, sich an die neue Situation, das neue Land zu gewöhnen. Es wären ja keine Straftäter auf der Flucht, sondern Menschen, die Schutz und Hilfe suchen. Das längere Gespräch hat mir aber trotzdem deutlich gemacht, das es immer noch viel zu tun gibt und Aufklärung und die Beantwortung der vielen Fragen vor Ort sehr wichtig sind, damit das ‚Miteinander‘ gut funktioniert.

Für Hösel bin ich überzeugt, dass das klappt, denn die Hilfsbereitschaft ist riesengroß. Auch die Vorbereitung der Stadt Ratingen, insbesondere von Herrn Steuwe und Frau Yetik, waren vorbildlich, denn schließlich dauert es noch einige Monate, bis die Unterbringung öffnet und die ersten Flüchtlinge nach Hösel kommen.

Die Piratenfraktion im Stadtrat und die Piraten vor Ort werden das sicher weiter aktiv begleiten. An dieser Stelle schonmal Danke dafür!

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